Werdet wie die Kinder
Audio | 31.01.2026 | Dauer: 00:04:12 | SR kultur - (c) SR
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„Du musst das ausfüllen!“ Mein 5-jähriges Patenkind wedelt mit einem dreiseitigen Papier vor meiner Nase. Es ist ein Patientenbogen. Da werden meine persönlichen Angaben abgefragt, meine Vorerkrankungen, ob ich Medikamente einnehme und eben alles, was eine Ärztin wissen muss, wenn sie eine neue Patientin aufnimmt. Denn mein Patenkind möchte einmal Ärztin werden. Regelmäßig spiele ich also Patientin und denke mir jedes Mal etwas Neues aus, weshalb ich in ihre Praxis komme. Mal habe ich den Arm gebrochen, ein anderes Mal bin ich erkältet, dann habe ich Bauchweh und so weiter. Mittlerweile ist mein Patenkind richtig gut ausgestattet. Neben den neuen Bögen für Patientinnen und Patienten gibt es nun auch ein Namensschild, das sie stolz als Ärztin trägt. Außerdem gibt es da natürlich einen umfangreichen 1. Hilfe Koffer.
Ich bin begeistert, wie kreativ die 5-Jährige ist! Klingelt ein Handy oder lenkt uns jemand ab, dann protestiert mein Patenkind. Sich so sehr auf andere einzulassen, da kann ich als Erwachsene wirklich noch etwas von ihr lernen. Aber auch von ihren Träumen kann ich etwas lernen. Ob sie wirklich mal Ärztin wird? Keine Ahnung. Das spielt auch heute noch keine Rolle. Was für mich zählt: Sie verfolgt dieses Ziel, weil sie anderen Menschen helfen möchte. Und sie glaubt erst einmal daran, dass das Gute und große Träume möglich sind. Auch davon möchte ich mir als Erwachsene eine Scheibe abschneiden.
Vielleicht sind es diese Eigenschaften, die auch Jesus an Kindern schätzt. Die Bibel erzählt davon, dass er einmal gefragt wird, wer im Himmelreich der Größte sei. Die Antwort Jesu: Er stellt ein Kind in die Mitte und sagt: „Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.“ Ziemlich genial, finde ich. Dieser Jesus scheint zu wissen, dass wir von Kindern so viel lernen können. Für andere da zu sein, sich auf andere einzulassen, im Hier und Jetzt zu leben und manches Mal auch groß zu träumen.
Wie passend, dass dieser Text heute als Tagestext in der katholischen Kirche vorgesehen ist. Denn heute ist der Gedenktag des Heiligen Giovanni Bosco, genannt Don Bosco. Er wusste: Damit Kinder genau das tun können, nämlich groß träumen, sind sie auf uns Erwachsene angewiesen. Damit wir ihnen gute Bedingungen für ihr Kindsein ermöglichen. Don Bosco setzte sich im 19. Jahrhundert genau dafür ein. Dass Kinder in guten Bedingungen aufwachsen können. Zu seiner Zeit mussten viele Kinder in Fabriken arbeiten oder lebten auf der Straße. Er gründete eine große Ordensgemeinschaft, die Salisianer Don Boscos. Sie setzen sich noch heute für Kinder und Jugendlich ein. Insbesondere dafür, dass sie Zugang zu Bildung haben. Don Bosco begegnete Kindern mit Anerkennung und Geborgenheit.
Vielleicht ist es ja das, was Jesus damit meint, wenn er sagt: Werdet wie die Kinder! Wer das tut, der hat vielleicht heute schon ein kleines Stück vom Himmelreich auf Erden. Ich versuche es jedenfalls, wenn ich nächstes Mal mit meinem Patenkind spiele. Und auch in meinen Alltag möchte ich mir etwas davon mitnehmen. Ich denke heute an mein Patenkind und wie viel ich von ihr lernen kann. Don Bosco erinnert mich heute daran, dass es sich lohnt, sich für sie einzusetzen und unsere Kinder in die Mitte zu stellen und von ihnen zu lernen.
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