Zwischenruf vom 02.10.2026

Zwischenruf vom 02.10.2026

Audio | 02.10.2026 | Dauer: 00:01:37 | SR kultur - (c) SR

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Der Rucksack-Platz Mein Rucksack sitzt öfter neben mir als ein anderer Mensch. Im Café. Im Wartezimmer. Im Zug. Kaum setze ich mich hin, landet mein Rucksack automatisch auf dem Platz neben mir. Er sagt ziemlich deutlich: Hier ist besetzt. Nicht für jemanden. Sondern vor jemandem. Ohne darüber nachzudenken. Erst neulich im Zug ist mir wieder aufgefallen, wie selbstverständlich ich diesen Platz freihalte. Und dabei freu ich mich eigentlich über nette Begegnungen. Menschen, mit denen ich ganz unerwartet ins Gespräch komme. Aber ich sende ich oft genau das Gegenteil. Kopfhörer auf. Blick aufs Handy. Rucksack auf dem Nebensitz. Als würde ich unbewusst ein kleines Schild aufstellen, das sagt: Bloß nicht ansprechen. Und ja: Manchmal möchte ich auch einfach meine Ruhe haben. Aber meistens passiert das ganz automatisch. Dabei nehme ich mir damit auch etwas. Vielleicht Das nette Gespräch im Zug. Das Lächeln im Wartezimmer. Oder Genau diese eine Begegnung, die mir den Tag ein bisschen schöner gemacht hätte. Bei der nächsten Zugfahrt bleibt der Rucksack auf alle Fälle unten – und der Sitz frei. Und wer weiß? Vielleicht reicht ein freier Platz und ein freundliches Lächeln aus, damit aus einer langweiligen Zugfahrt eine schöne Reise werden kann.

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