Leonard Cohen
Audio | 07.11.2026 | Dauer: 00:04:47 | SR kultur - (c) SR
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„Wenn ich an Leonard Cohen denke, dann fällt mir als erstes seine Stimme ein, die zwischen singen und sprechen schwankt, und dass die Texte, so viel ich davon verstehe, oft etwas Religiöses erzählen und immer was Gebrochenes haben.“ Damit leitet ein Kollege seine Erinnerungen an den kanadischen Singer-Songwriter an, und er fährt fort. „Da geht es um Jesus den Seemann, um Gebete und anderes Religiöses, aber alles immer gebrochen. Nie so ganz sicher. Das gefällt mir. Wer ist schon immer total sicher und weiß alles, was mit Gott und Glaube zu tun hat. Das verbindet mich mit ihm. Und dann sind da die Melodien, unvergesslich. In meiner Jugend habe ich ihn geliebt und viel gehört. Er ist schon ein Klassiker.“ Eine Kollegin, die Jüngste in unserer Runde, ergänzt noch: „Mir fällt nur das Halleluja ein, das er gesungen hat, und das ich oft gehört habe.“
Heute vor 10 Jahren ist Leonard Cohen gestorben. Aber tot ist er nicht. Er ist noch im Bewusstsein der Menschen und vor allem sind seine Lieder noch sehr bekannt und präsent. Das liegt an den eingängigen Melodien und an den vielen Coverversionen, die andere Sänger und Sängerinnen davon gemacht haben. Es liegt auch an den Texten, die einen Menschen spiegeln, der auf der Suche ist - im Leben wie im Glauben. Es liegt an den Frauen, mit denen er Zeit seines Lebens verbunden war, auch wenn die Beziehungen zu ihnen sich veränderten. In seinen Liedern und Gedichten erzählt er davon, von Begegnungen und Abschieden, die in den Ohren und Herzen vieler so klingen, als erzähle er ihre Geschichten.
Aber Cohen ist nicht nur ein Klassiker unter den Popstars. Er wächst in einer jüdischen Familie in Montreal auf. Sein Familienname Cohen weist darauf hin, dass er zu den Kohanim gehört und von Aaron, dem Bruder des Mose, abstammt. Die Gruppe stellte die Tempelpriester, die den Dienst am Altar ausübten. Viele seiner Vorfahren waren Rabbiner, so auch der Großvater. Dank ihm lernt er die Rituale, Gebete und Gesänge seiner Religion bestens kennen, die biblischen Texte wie auch die Melodie, die die Religion hat. Er gehört zu den Menschen, die regelmäßig beten, er heiligt den Sabbat, meditiert und geht für einige Jahre in ein buddhistisches Kloster. Er möchte, so sagt er, dem Abt, einem Freund, näher sein und verstehen, was es bedeutet, in einem Kloster zu leben. Dabei bleibt - von außen gesehen - immer die Frage, ob er nicht eher seinem Gott nahe sein will, den er in seinen Liedern immer wieder befragt. Ganze Texte und Gebete der jüdischen Gottesdienste kommen in seinen Liedern vor. Dabei geht es oft um das dunkle Geheimnis Gottes, das ihm ein Leben lang wie ein Licht aufleuchtet, aber in der Dunkelheit des menschlichen Lebens scheinbar wieder erlischt. „There is a crack in everything that’s how the light gets in…“- da ist ein Riss in allen Dingen, durch die das Licht eindringt. Es ist die Unbegreiflichkeit Gottes, die ihn an- und umtreibt und die ihm im Leben immer wieder entgegentritt, mal streng und fordernd, später auch ermutigend und „sehr, sehr mitfühlend“ und sagt: mach einfach die Dinge, die du tun musst.“[1]
Heute vor 10 Jahren ist er verstorben. Viele, auch solche, die ihm nie persönlich begegnet sind, haben mit ihm einen Freund verloren, einen, der ihre Schmerzen und Sehnsüchte wirklich kennt und in Worte fasst, dessen Wahrhaftigkeit und Zärtlichkeit tröstet und Mut zum Leben macht.
Der Belgier David van Reybrouck schreibt ihm zum Abschied und zur Ermutigung für sich selbst: „Beim Tod eines alten Freundes herrscht oft mehr Dankbarkeit als Trauer: Dass wir das erleben durften in unserem kurzen Leben … Nun ist es an uns: if it be your will that a voice be true from this broken hill i will sing to you - Wenn es dein Wille ist, dass eine Stimme von diesem zerbrochenen Hügel wahr ist, werde ich für dich singen…“
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