Was hülfe es dem Menschen…?
Audio | 20.06.2026 | Dauer: 00:04:29 | SR kultur - (c) SR
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„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ In goldenen Buchstaben steht der Satz an einem ruhigen Ort in Berlin, obwohl rundherum das Leben tobt und es dort laut und turbulent zugeht: Der Satz steht im vierten Untergeschoss des Berliner Olympiastadions - neben der Players-Lounge am Eingang zu einer Kapelle. Neben der Players Lounge, also dort, wo die Spieler sich aufhalten, ist sozusagen die Prayers Lounge. Der Ort für Gebet, Einkehr und Stille, bevor es im großen Oval des Olympiastadions vor den Spielen von Hertha, zum DFB-Pokalfinale oder internationalen Begegnungen kommt. Vor 20 Jahren wurde dieser Raum in den Katakomben des Olympiastadions eröffnet - damals, zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Gerade haben die Verantwortlichen mit einer Andacht dort ihr Jubiläum gefeiert. Seitdem ist die Kapelle sozusagen das Herz des Stadions und liegt auch exakt unter dem Mittelkreis, vier Stockwerke tiefer. Vor jedem Heimspiel von Hertha laden katholische und evangelische Kirche hier Fans und Interessierte zu einer ökumenischen Andacht ein. Da ist die Kapelle immer gut gefüllt über alle Vereinsfarben und Fangruppen hinweg. Der Glaube verbindet.
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“, steht da also am Eingang der Kapelle. In der Sprache Martin Luthers klingen die Konjunktive noch eindrucksvoller: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Der Satz stammt aus Matthäus, Kapitel 16, Vers 26. Wohlgemerkt: Matthäus-Evangelium, nicht von Lothar Matthäus, wie manche scherzhaft dazu sagen, die an der Kapelle vorbeikommmen. In der von der katholischen Kirche genutzten Einheitsübersetzung lautet der Satz aus der Bibel etwas mehr in die heute übliche Sprache übersetzt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ Will sagen: Wenn ich selbst gefühlt der tollste Hecht im Karpfenteich bin, wenn ich nur mich selbst sehen kann, nur um mich kreise - wenn ich erfolgreich, angesehen und mit allem ausgestattet bin, worum mich andere beneiden, um welchen Preis hab ich all das erreicht? Was zählt am Ende wirklich, wenn ich auf mein Leben blicke? Wer bleibt da am Ende auf der Strecke? Am Ende vielleicht ich selbst? Der Satz sagt auch: Es gibt im Leben und darüber hinaus Größeres als das, was ich sehen, besitzen und festhalten kann. Dafür soll ich nicht blind werden.
„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ Was zählt wirklich im Leben, wenn Macht, Einfluss, Geld und Mode vergehen? Viele Politikerinnen und Politiker, einst vielleicht mächtig, müssen das nüchtern erfahren. Im Olympiastadion sind es die Sportlerinnen und Sportler, die merken, wie schnell Ruhm und Erfolg vergehen können, gerade im Fußball. Wie schnell da der Daumen gesenkt wird über die, denen kurz zuvor noch mit ‚Hosianna‘ der Jubel entgegenschallte. Das gilt auch, wenn sich heute Abend bei der Fußball-WM der Männer beim Spiel gegen die Elfenbeinküste der weitere Verlauf für die Deutsche Nationalmannschaft entscheidet. „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“, wenn er oder sie dabei selbst auf der Strecke bleibt; oder sprichwörtlich über Leichen geht?
Das ist nicht weit weg, irgendwo im Berliner Olympiastadion oder noch weiter weg. Das ist auch ganz nah und persönlich eine wohlmeinende Erinnerung und Frage: Wofür lohnt es sich heute zu leben? Was sind die kleinen Dinge, für dich ich heute dankbar sein kann, weil sie mein Leben einfach lebens- und liebenswert machen, womit ich irgendwie die Welt gewinne - und Lebensfreude und Sinn noch dazu. Ich wünsche Ihnen heute - ob beim Fußball oder ganz woanders - solch einen himmlischen Moment voller Lebensfreude für die Seele!
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