Zwischenruf vom 26.09.2026
Audio | 26.09.2026 | Dauer: 00:02:04 | SR kultur - (c) SR
Themen
"Ist auch Hardy da?"
Ein scheinbar verträumter Pilger veränderte mit seiner Aufmerksamkeit für das Wesentliche das Leben vieler Menschen nachhaltig.
„Ist auch Hardy da?“ Seit einer Pilgerreise nach Rom und Assisi ist das für mich mehr als eine Frage. Es ist eine Lebenshaltung geworden.
Am ersten Tag in Rom. Metrostation. Der Zug fährt ein. Alle steigen ein. Nur einer nicht: Hardy. Die Türen schließen. Der Zug fährt los. Und wir sehen ihn noch auf dem Bahnsteig stehen. Verträumt. Irgendwo zwischen Himmel und Erde. Nicht verloren. Nur anders aufmerksam. An der nächsten Station müssen einige zurückfahren und ihn einsammeln. Von da an hieß es bei jedem Aufbruch: „Ist auch Hardy da?“
Damals haben wir darüber gelacht. Heute höre ich diese Frage anders.
Denn Hardy ist einer von diesen Menschen, die man nicht übersieht, obwohl sie nie im Mittelpunkt stehen wollen. Ein gutmütiger Mensch. Einer, der sich kümmert. In unzähligen Vereinen engagiert er sich. Setzt sich ein, dass die NS-Vergangenheit in seiner Heimat nicht vergessen wird. In seiner Familie ist er – selbst kinderlos - als Bruder und Onkel der Mittelpunkt.
Vielleicht stand er damals in Rom am Bahnsteig gar nicht verträumt herum. Vielleicht hat er einfach etwas gesehen, das wir anderen übersehen haben.
Vor einigen Monaten ist Hardy plötzlich verstorben. Unzählige Menschen kommen zu seiner Beerdigung. Auch die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, mit denen er damals in Rom und Assisi war.
Hardy hat die Pilgergruppe und auch mich verändert und das nachhaltig: Bis heute ist die Gruppe, die aus verschiedenen Generationen und Orten besteht, miteinander verbunden.
Und wir alle haben durch ihn gelernt, aufmerksamer zu sein, für das, was man schnell übersieht, zwischen Himmel und Erde, am Bahnsteig oder auch sonst wo…
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