Der Todestag des Schriftstellers Günter Eich (20.12.1972)
Podcast - ZeitZeichen | 20.12.2022 | Dauer: 00:14:33 | SR kultur - Christian Kosfeld
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Heute vor 50 Jahren starb der Schriftsteller Günter Eich. Seine nüchterne, fast karge Sprache der "Trümmerliteratur" setzte den Ton für den literarischen Neuanfang in Deutschland nach 1945. Dabei hatte Günter Eich seine Karriere auch unter den Nazis vorangetrieben. Seine lyrische Stimme war leise, aber eindringlich, in der Bundesrepublik galt Günter Eich als moralische Instanz, als "poetischer Prophet unserer Zeit". Weniger beleuchtet wurde lange Eichs Rolle in der NS-Zeit. Sonst nichts Neues, außer, dass ich in die NSDAP eingetreten bin. Heil Hitler! Günter" das schrieb Eich 1933 an einen Freund. Seine Karriere als Schriftsteller und Rundfunkautor sollte auch unter den neuen Machthabern weitergehen. Nach dem Krieg wurde Günter Eich der erste Preisträger der "Gruppe 47". Mit seinem eindringlichen, kargen, oft geheimnisvollen und sehnsüchtigen Ton wurde er zum stillen Star. "Die ist meine Mütze, dies ist mein Mantel, hier mein Rasierzeug, im Beutel aus Leinen", heißt es in dem Gedicht "Inventur", so etwas wie das Gründungsdokument der neuen deutschen Literatur in der Nachkriegszeit, Pflichtlektüre in deutschen Schulbüchern. Am Ende seines Lebens veröffentlichte Eich "Maulwürfe": tiefgründige, komisch-absurde Kurzprosa. Kritik und Leser:innen waren ratlos und fasziniert. Heute gelten sie als Meisterwerke der Literatur. Worum es in den Miniaturen geht, ist schwer zu sagen. Eine Zeile lautet: "Nachher hat man immer recht, man sollte gleich nachher leben". 1972 starb Günter Eich in Salzburg.